Aschach, Bad Bocklet

Neues zur Sattlerschen Steingutfabrik in Schloss Aschach, Bad Bocklet-Aschach, Landkreis Bad Kissingen, Unterfranken

Abb. 1 Schloss Aschach. Ansicht des Schlossgebäudes vom Hof aus. Die linke Türe führt zum Brenngewölbe. (Foto J. Scherbaum)

Abb. 1 Schloss Aschach. Ansicht des Schlossgebäudes vom Hof aus. Die linke Türe führt zum Brenngewölbe. (Foto J. Scherbaum)

Das Schloss Aschach nördlich von Bad Kissingen an der Fränkischen Saale gelegen blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. An dieser Stelle soll jedoch nicht auf die Ursprünge im späten 12. Jahrhundert oder auf die Zerstörungen der Bauernkriege und des Markgräflerkriegs des 16. Jahrhunderts eingegangen werden. Von außergewöhnlichem Interesse sind auch Befunde des 19. Jahrhundert, die bei den noch andauernden Sanierungsarbeiten im Schlossgebäude zutage traten. Wegen der Bodeneingriffe in den Kellern waren archäologische Untersuchungen bereits Teil des Sanierungskonzeptes. In der Sondage 2005 traten neben Befunden zum hochmittelalterlichen Pallas im nördlichen Keller auch die Überreste eines Brennofens zutage. Nach Erweiterung der Maßnahme konnten zwei weitere Öfen freigelegt werden.

Diese Öfen sind Teil der „Englisch-Porzellan-Fabrik“, die in der Zeit von 1829 bis 1864 in Schloss Aschach betrieben wurde. Der Schweinfurter Industrielle Willhelm Sattler hatte das Schloss günstig erworben. Er nutzte bereits bei Schweinfurt mit Schloss Mainberg ein ehemaliges Schloss der Grafen von Henneberg als Fabrikationsstätte für Tapeten. Die Gründung der Fabrik in Aschach war durch die Strukturpolitik des bayrischen Königreiches gefördert worden, um in der wirtschaftlich schwachen Region Arbeitsplätze zu schaffen.

Abb. 2 Schloss Aschach. Plan der Befunde im nördlichen Keller des Schlossgebäudes. A Brennofen; B Brennofen; C Brennofen ; D. nördlicher Heizraum; E. südlicher Heizraum, F. mittelalterliche Befunde (13.Jh)

Abb. 2 Schloss Aschach. Plan der Befunde im nördlichen Keller des Schlossgebäudes. A Brennofen; B Brennofen; C Brennofen ; D. nördlicher Heizraum; E. südlicher Heizraum, F. mittelalterliche Befunde (13.Jh)

Der Forschungsstand zur Frühzeit und Blüte der Sattlerschen Steingutfabrik ist aufgrund der überlieferten Dokumente vergleichsweise gut. Die Einrichtung der Fabrikationsanlagen im Schloss und in der zufuße des Schlosses gelegenen Wassermühle ist auf einem überlieferten Plan des Jahres 1830 aufgezeichnet. Zu Beginn der Produktion bestanden, wie die gut dokumentierte Korrespondenz belegt vielfache Schwierigkeiten sowohl in der Beschaffung des Materials als auch in der Steuerung des Brennvorgangs. Die Ergebnisse der Produktion waren zunächst dementsprechend bescheiden. Man kopierte einfache Formen und wertete diese mit Marken wie F.wedgwood auf, um so einen Bezug zu den deutlich qualitätvolleren englischen Produkten herzustellen.

Die Wende kam erst mit Übernahme der Manufaktur durch Jens Sattler. Ausgedehnte Studienreisen führten ihn 1837 in die Zentren der Steingutproduktion des Saarlandes und 1839 nach England, wo er unter anderem auch die berühmte Manufaktur von Wedgwood besuchte.
Mithilfe der auf diesen Reisen gewonnen und akribisch aufgezeichneten Erkenntnissen konnte die Produktion in Aschach modernisiert werden, so dass für einige Jahre der Bestand der Manufaktur gesichert war. Wie konsequent die neu gewonnen Techniken umgesetzt wurden, belegen neben dem deutlichen Qualitätszuwachs der Ware auch zahlreiche Aufzeichnungen und im Jahr 1993 eine archäologische Untersuchung an mehreren Stellen im Garten. Hierbei wurde das Fundament eines runden Ofens freigelegt, dessen bienenkorbartig überwölbte aufgehende Form auf einer Zeichnung des Schlossgartens zu sehen ist. Dieser Typ des Rundofens mit sternförmiger Feuerung findet sich auch im Skizzenbuch der saarländischen Reise Jens Sattlers.

Die jetzt freigelegten Öfen stammen mit Sicherheit aus der Anfangszeit der Produktion. Sie sind auf einem Plan der Manufaktur des Jahres 1830 als im „Brenngewölbe“ liegend eingezeichnet. Die noch erhaltenen Teile der Öfen gehören zur Feuerung. Sie lagen in einer etwa 2 m tiefen Grube, die in den Keller eingetieft worden war, um die nötige Einbauhöhe für die zweigeschossige Ofenanlage zu erhalten. Der Brennraum für die Keramik war wohl ebenerdig, d. h. auf Höhe des ehemaligen Kellerbodens zugänglich.

Abb. 3 Schloss Aschach. Blick auf die Öfen B und C von Nord. (Foto J. Scherbaum)

Abb. 3 Schloss Aschach. Blick auf die Öfen B und C von Nord. (Foto J. Scherbaum)

Von den Öfen konnte der Grundriss des unteren Geschoßes, des Feuerraums mit Teilen der aufgehenden Wandung erfasst werden. Die drei Öfen waren offensichtlich in einem Zug errichtet worden. Sie waren aus Ziegeln gesetzt, die durch einen mit Ziegelmehl gemagerten Ton gebunden wurden, manche Partien waren vermörtelt. An den Stirnseiten lagen jeweils die Luken zum Beheizen sowie Kanäle zur Regulierung der Luftzufuhr. Diese waren bei jedem Ofen anders gestaltet. Die zwei nördlichen Öfen B und C (Abb. 2und 3) besassen langgestreckte Tonnengewölbe für die Feuerräume, der südliche Ofen A war wohl flach gedeckt. Befeuert wurden die Öfen von den ebenfalls in der abgemauerten Grube gelegenen Heizräumen aus. Der Heizraum von Ofen A (Abb. 2, E) war durch einen Durchbruch im mittelalterlichen Treppenturm vom südlich gelegenen Keller des ehemaligen Pallas aus zugänglich (Abb. 2, F. Der Heizraum von Ofen B und C (Abb. 2, D) wurde durch eine Treppe vom höher gelegenen ursprünglichen Kellerboden aus erreicht. Die Hitze in den Feuerräumen wurde von weißen Schamotteziegeln vom eigentlichen Mauerwerk ferngehalten. Sie stieg durch senkrechte quadratische Kanäle mit etwa 10 cm Querschnitt in den darüber liegenden Brennraum. Die Feuerräume der Öfen weisen starke Verglasungen auf. Da die Öfen bei allen Gemeinsamkeiten deutliche Unterschiede in Grundriss, Feuerung und Hitzeführung aufwiesen, muss von verschiedenen Funktionen im Herstellungsprozess ausgegangen werden.
Nach den Neuerungen der späten 1830er Jahre durch Jens Sattler war die Ofenlage ihrer ursprünglichen Funktion beraubt. Sie wurde abgebrochen und die Grube verfüllt. Einige Zusetzungen und Einbauten an Ofen A deuten darauf hin, dass hier nach Einstellen des eigentlichen Betriebs noch eine untergeordnete Nutzung als evtl. als Testofen oder zur Herstellung von Brennhilfen stattfand. Das aus der Verfüllung der Grube geborgene Material umfasst Halbfabrikate, Fehlbrände und Produktionsmittel, wie Brennkapseln, Abstandshalter und Farbtiegel. Die Fehlbrände datieren in die frühe Phase der Produktion.

Ein Befund an der Decke des Brenngewölbes macht deutlich, dass neben Fragen der Effektivität und Qualität wohl auch Sicherheitsaspekte zur Ablösung der Anlage geführt hatten. Das Steinmaterial zeigt hier die typischen Merkmale, die durch ein Schadensfeuer entstehen. Verfärbungen, Risse und großflächige Absplitterungen zeugen von enormer Hitzeeinwirkung. Tatsächlich ist ein Kaminbrand bis in den Dachstuhl belegt.

Abb. 4 Schloss Aschach. Blick auf die nebeneinander liegenden Schüröffnungen von Ofen A. (Foto J. Scherbaum)

Abb. 4 Schloss Aschach. Blick auf die nebeneinander liegenden Schüröffnungen von Ofen A. (Foto J. Scherbaum)

Der Betrieb der Öfen im Keller des Hauptgebäudes war zu gefährlich geworden. In den 1860er Jahren wurde die Produktion in Aschach aus Gründen der Wirtschaftlichkeit eingestellt.
Dank der kreativen Umplanung aller an der Sanierung beteiligten Stellen fiel das freigelegte Industriedenkmal nicht den geplanten Stahlbetonankern zum Opfer sondern konnte erhalten werden. Es soll nach Abschluß der Sanierung in die Museen Schloss Aschach integriert werden und so der Öffentlichkeit zugänglich werden.
Jochen Scherbaum M.A.
Grabungsleitung: Jochen Scherbaum, Archäologische Dokumentation

Literatur:
E. Schneider (Hrsg), Aschacher Steingut, Schweinfurter Museumsschriften 55/1993, Schweinfurt 1993
J. Scherbaum, Neues zur Sattlerischen Steingutfabrik in Schloss Aschach, in Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hg.), Das archäologische Jahr in Bayern 2005, Stuttgart 2006, S.152-155